Freilernen

Freiheit, die ich meine

Warum eine freie Kindheit alles verändert

Kinder lernen Freiheit nicht durch Erklärung. Sie lernen sie durch Erfahrung.

Kinder und Erwachsene im flachen Wasser bei Sonnenuntergang am Strand
Abends am Wasser — die Stunde, in der niemand mehr auf die Uhr schaut.

Kinder lernen Freiheit nicht durch Erklärung. Sie lernen sie durch Erfahrung – dadurch, dass sie tatsächlich entscheiden dürfen und die Folgen erleben. Wer als Kind nie wählen durfte, hat als Erwachsener kein Werkzeug dafür.

Die Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan beschreibt drei Grundbedürfnisse, aus denen Motivation entsteht: Autonomie, Kompetenz und Verbundenheit. Fehlt Autonomie, bricht intrinsische Motivation zusammen. Ein Kind, das ausschließlich fremdbestimmt lernt, lernt vor allem eines: dass Lernen etwas ist, das einem angetan wird.

Der Entwicklungspsychologe Peter Gray hat in Free to Learn argumentiert, dass freies, selbstbestimmtes Spiel die zentrale Lernform der menschlichen Kindheit ist – und dass ihr dramatischer Rückgang in den letzten Jahrzehnten mit steigender Angst und Depression bei Kindern einhergeht. Auch die Forschung zum sogenannten risky play zeigt: Kinder brauchen echte Risiken – Höhe, Geschwindigkeit, Werkzeuge, sich verlaufen und wiederfinden –, um Angst regulieren zu lernen.

Ein Kind, das nie fallen durfte, hat nicht gelernt, dass es aufstehen kann.

Was eine freie Kindheit konkret aufbaut

Vier Kinder gehen mit Surfbrettern zum Wasser Familie am Strand im Abendlicht
Die Surf Crew auf dem Weg ins Wasser — und ein Abend, an dem einfach nichts geplant war.

Ein wichtiger Zusatz, damit hier kein Missverständnis entsteht: Freiheit ist nicht dasselbe wie Sichselbstüberlassensein. Die Bindungsforschung ist da eindeutig – Kinder erkunden umso mutiger, je sicherer sie gebunden sind. Der sichere Hafen ist die Voraussetzung dafür, dass ein Kind hinausfährt. Freiheit ohne verlässliche Bindung ist nicht Freiheit, sondern Vernachlässigung. Beides gehört zusammen.

Zum Schluss

Freiheit ist kein Zustand, den man erreicht und dann besitzt. Sie ist eine Praxis – eine Reihe von Entscheidungen, die man immer wieder trifft, meistens in kleinen Dingen, oft gegen den eigenen Bequemlichkeitsreflex.

Und vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis diese: Man kann Kindern Freiheit nicht beibringen, ohne sie selbst zu leben. Kinder lesen nicht, was wir sagen. Sie lesen, wie wir leben.

Die Frage ist also nicht, ob wir uns mehr Freiheit wünschen. Die wünschen sich alle. Die Frage ist, was wir dafür loszulassen bereit sind.

Wir versuchen daher, unsere Kinder so frei und selbstbestimmt wie möglich aufwachsen zu lassen. Erwartungen und gesellschaftliche Normen sollen dabei keine Rolle spielen. Empathie, Menschlichkeit und die Achtung von anderen Meinungen sind Grundwerte, die wir ihnen mitgeben wollen.

Was bedeutet Freiheit für dich — und was war der Preis, den du dafür gezahlt hast?

June und Kello
June & Kello
Leben mit ihren Kindern auf Fuerteventura und schreiben hier jede Woche auf, was der Alltag so bringt.
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