Als wir angefangen haben, gab es nur einen Weg, mit Inhalten Geld zu verdienen: Reichweite aufbauen und sie irgendwann vermarkten. Follower sammeln, sichtbar werden, gebucht werden. Wir sind diesen Weg gegangen – über Instagram, YouTube, bis ins Fernsehen. Und wir würden ihn wieder gehen. Aber wir haben unterwegs gelernt, dass er einen Preis hat, über den selten jemand spricht.
Seit einer Weile gibt es ein zweites Modell, das denselben Rohstoff nutzt – gute Inhalte –, aber anders funktioniert: den UGC Creator. Wer die beiden nebeneinanderlegt, versteht plötzlich viel besser, was das Wort "finanzielle Freiheit" in diesem Beruf eigentlich bedeutet.
Der Unterschied in einem Satz
Ein Influencer stellt seine Reichweite zur Verfügung. Eine Marke bezahlt dafür, dass ein Beitrag an die eigene Community geht, dass Gesicht und Glaubwürdigkeit für ein Produkt einstehen. Ein UGC Creator – UGC steht für User Generated Content – liefert dagegen nur den Inhalt selbst. Er dreht ein Video, die Marke bekommt die Datei und postet sie auf ihren eigenen Kanälen. Der Creator taucht mit seinem Namen oft gar nicht auf.
Der Influencer bringt seine Reichweite ein. Der UGC Creator bringt ein Handwerk ein.
Das klingt nach einer kleinen technischen Unterscheidung. Tatsächlich verändert es fast alles: wer abhängig ist von wem, wie viel man wovon braucht, und wie viel vom eigenen Leben man dafür öffentlich machen muss.
Reichweite als Kapital
- Einnahmen wachsen mit der Community – nach oben oft offen
- Braucht kontinuierliche Sichtbarkeit und einen Algorithmus, der mitspielt
- Das eigene Leben ist Teil des Produkts
- Eine Plattform-Änderung kann die Grundlage über Nacht verschieben
Können als Kapital
- Bezahlt wird pro Auftrag, unabhängig von eigener Followerzahl
- Funktioniert auch ohne große Reichweite – es zählt die Qualität
- Privatleben bleibt privat, wenn man es möchte
- Man ist abhängig von Aufträgen, nicht von Sichtbarkeit
Man sieht schon: Keiner der beiden Wege ist der freiere. Sie tauschen nur eine Art von Abhängigkeit gegen eine andere. Der Influencer ist frei von einzelnen Auftraggebern, aber gebunden an seine Sichtbarkeit. Der UGC Creator ist frei von der Bühne, aber gebunden an den nächsten Auftrag.
Wo die eigentliche Rechnung aufgemacht wird
Für uns war die interessanteste Erkenntnis nicht die über das Geld, sondern die über die Kosten dahinter. Reichweite ist ein Kapital, das man nie ganz besitzt – es liegt auf Plattformen, die einem nicht gehören, und es verlangt, dass man dranbleibt. Wer aufhört sichtbar zu sein, verliert es langsam wieder. Ein Handwerk dagegen nimmt einem niemand weg. Wer gute Inhalte machen kann, kann das auch noch in fünf Jahren, egal welche App gerade oben schwimmt.
Ein ehrlicher Zusatz, damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Wir romantisieren UGC nicht. Es ist Arbeit auf Bestellung, oft ohne die kreative Freiheit, die man auf dem eigenen Kanal hat. Und die großen Geschichten, die Nähe zu Menschen, das Gefühl, wirklich etwas zu bewegen – das entsteht eher über die eigene Reichweite. Beide Wege geben etwas, und beide nehmen etwas.
Und dann sind da noch die Kurse
Es gibt einen Punkt, an dem wir deutlich werden müssen. Rund um UGC ist in kurzer Zeit eine ganze Industrie an Online-Kursen entstanden, und ein großer Teil davon verkauft ein Bild, das mit der Realität wenig zu tun hat. "In vier Wochen zum Vollzeit-Einkommen", "so lebst du bald ortsunabhängig vom Handy aus" – solche Versprechen sind in aller Regel maßlos überzogen. Sie verschweigen, wie viele unbezahlte Test-Videos am Anfang stehen, wie viele Absagen dazugehören, wie lange es dauert, bis Marken einem überhaupt vertrauen, und dass die schönen Zahlen in den Werbeanzeigen fast immer die absolute Ausnahme sind, nicht die Regel.
Nicht das Handwerk wird in vielen Kursen verkauft, sondern der Traum davon.
Das Ärgerliche daran: Es beschädigt einen Beruf, der für sich genommen seriös und erlernbar ist. UGC kann ein solides zweites Standbein sein – nur eben nicht über Nacht und nicht ohne Arbeit.
Genau deshalb spielen wir mit einem eigenen Gedanken. Vielleicht bauen wir irgendwann selbst einen Kurs – aber einen, der die ganze Wahrheit zeigt. Mit den unbezahlten Anfängen, den Absagen, den langen Tagen hinter der Kamera, und einer ehrlichen Einschätzung, was realistisch drin ist und was nicht. Nicht das Verkaufen eines Traums, sondern das Zeigen eines Handwerks. Ob und wann daraus etwas wird, wissen wir noch nicht – aber der Bedarf an Ehrlichkeit in diesem Feld ist offensichtlich.
Was das mit Freiheit zu tun hat
Am Ende ist es dieselbe Frage wie überall in diesem Blog: Freiheit ist nie umsonst. Der eine zahlt mit Privatsphäre, der andere mit kreativer Selbstbestimmung. Die klügste Antwort ist für viele wahrscheinlich keine Entweder-oder-Entscheidung, sondern eine Mischung – ein Standbein, das trägt, und ein Spielbein, das Freude macht.
Wir sind noch mittendrin, das für uns herauszufinden. Vom Influencer-Weg kommen wir; UGC ist für uns neueres Terrain, das wir gerade erst ausloten. Was wir sicher gelernt haben: Nicht die Höhe der Einnahmen entscheidet über Freiheit, sondern wie viele verschiedene Menschen den Hahn zudrehen könnten. Je weniger, desto freier.